Auf ein Wort mit Pfarrer Markus Christ

„Hammersbach ist mir zur Heimat geworden“

Mehr als 31 Jahre hat Pfarrer Markus Christ die Evangelische Kirchengemeinde Langen-Bergheim geprägt und begleitet. Nun steht sein Abschied bevor.

Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer wird ihn im Erntedankgottesdienst am Sonntag, 4. Oktober 2026, 14 Uhr entpflichten. All denjenigen, denen es ein Anliegen ist, bei seiner Verabschiedung mit dabei zu sein, sind herzlich willkommen.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Ihre Verabschiedung denken?

Erst mal bin ich froh, dass ich fast 40 Jahre im Gemeindepfarrdienst ‚geschafft‘ habe. Ich bin dankbar, dass mir meine Kräfte erhalten wurden, und dass mir die Langen-Bergheimer auch gute Bedingungen gegeben haben, im Rahmen meiner Fähigkeiten und Möglichkeiten hier als Pfarrer zu wirken.
Alles hat seine Zeit – so heißt es im Predigerbuch in der Bibel. Da ist Wehmut dabei – aber ich bin natürlich auch heilfroh, wenn nun der Terminkalender nicht mehr wie bisher mein Leben bestimmt.

An was erinnern Sie sich gerne zurück?

An gute Gemeinschaft, schöne Gemeindefeste, an viel Musik in den Gottesdiensten, an sehr engagierte Menschen im Kirchenvorstand und in den Gruppen und Kreisen. Dass ich als Pfarrer mit Jung und Alt in Berührung kam, und ich gute wie schwierige Wegstrecken in vielen Biografien mitgehen durfte.

Die Vielfalt im Pfarrberuf, von der Wiege bis zur Bahre, von Schule, Kindergottesdienst und Konfirmandenunterricht bis zur Partnerschaft mit der südindischen Partnerdiözese East Kerala, von den Frauenkreisen bis zur Bewusstseinsbildung über den Wert der besonders fruchtbaren Wetterauer Böden. Und zuletzt, auch wenn es ein langer Weg war: Dass wir unser Gemeindehaus noch so schön renovieren durften.

Was bleibt?

Die Jahre als Pfarrer unserer Gemeinde sind ein großer Teil von mir geworden und haben mich geprägt. Wie viel in der Gemeinde bleibt und in den Menschen, die ich begleiten durfte, das können nur die Menschen beurteilen, und das wird die Zeit zeigen.

Hammersbach ist mir zur Heimat geworden.  Darum werden meine Frau und ich auch im Ruhestand in Hammersbach bleiben.

Bei Ihnen ist der Name Programm. Aber: Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Ich bin volkskirchlich aufgewachsen. So richtig Interesse am Thema Glaube hat dann die Zeit des Konfirmandenunterrichts in mir geweckt. Wir hatten einen sehr netten Pfarrer, mit dem ich viele Gespräche führte. Er verstand aber die Bibel sehr wörtlich.

Ein Schlüsselerlebnis für mich war, als er mir sagte, weil die Dinosaurier nicht in der Bibel vorkämen, wären die Knochen wohl – heute würde man sagen – ein Fake: „Markus, es wird auch viel aus Plastik hergestellt…“. Das hat mich herausgefordert. Ich wollte die Bibel verstehen, wollte „der Sache mit Gott“ genauer nachgehen. Und das Theologiestudium hat gehalten, was es versprochen hat.

Welche Bibelstelle hat Sie in Ihrer Langen-Bergheimer Zeit getragen?

Aktuell schreibe ich gar nicht mehr. Aber geplant habe ich nichts. Es ergab sich spontan. Und genau das hatte auch eine Kehrseite: Ich habe vor meinem 90. Geburtstag aufgehört, weil ich nicht mehr schlafen konnte. Mir ging es dauernd durch den Kopf – morgens schon: Wie formuliere ich dies oder jenes? Irgendwann musste ich sagen: Jetzt ist Schluss.

Ich habe einige Bibelstellen, die mich tragen. Aber hier möchte ich zwei Stellen nennen, die mir auf eine besondere Weise wichtig geworden sind. Käthi Kirchner, unsere langjährige Küsterin, hat mir zum Abendmahl immer zugesprochen „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen“ (Ps 37,5). Und unsere jetzige, ebenfalls langjährige Küsterin Linda Schäfer spricht mir an gleicher Stelle immer zu: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebr.13,8). Das bedeutet mir sehr viel.

Alles ist im Wandel: Wie geht es nun für die Gemeinde weiter?

Gute Nachrichten: Unserer Gemeinde bleibt eine Vakanzzeit erspart: Pfarrerin Tanja Langer wird nun für Eckartshausen mit Himbach und Altwiedermus sowie für Langen-Bergheim zuständig sein.

Was kommt nun auf Sie zu?

Von allem: Fantasie, etwas Lustiges, etwas Tiefgründiges. Ich habe nie eine Schublade gesucht. In dem Gedicht finden sich auch Sprüche – kleine Beobachtungen, die einen plötzlich anspringen.

Neue Herausforderungen. Ein neuer Lebensabschnitt. Meine alten Eltern brauchen mich zunehmend mehr – da bin ich froh, nun den Rücken frei zu haben. Meine Frau freut sich, wenn mein Terminkalender nicht mehr so vollgeknallt ist – wir freuen uns auf mehr gemeinsame Zeit, auch mit Freunden und auf Theater-, Oper-, Kinobesuche; und wir haben uns vorgenommen, die Hausarbeit nun gerechter aufzuteilen.

Ich bin gerne Opa und freue mich auf die Zeit mit meinen Enkelkindern. Auf Bücher, die ich schon immer mal lesen wollte, und aufs Musizieren.  Aber was und wie alles letztlich kommt – das weiß nur Gott allein.

Steckbrief:

Pfarrer Markus Christ ist in Gettenau in der Wetterau aufgewachsen und studierte Evangelische Theologie in Marburg. Nach ersten beruflichen Stationen ist er seit 1995 Pfarrer in Langen-Bergheim, seit 2007 zusätzlich in Himbach. Über viele Jahre engagierte er sich zudem als Dekanstellvertreter und kommissarischer Dekan. Besonders am Herzen liegt ihm die Partnerschaft mit der südindischen Diözese East Kerala, für die er sich langjährig einsetzte. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und drei Enkelkinder.

Herzlichen Dank für dieses freundliche Gespräch!