Auf ein Wort mit Sarah Harnischfeger

Lesen verbindet – und in Hammersbach ganz besonders 

Mit viel Herzblut, Kreativität und ehrenamtlichem Engagement ist in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes Netzwerk rund ums Lesen entstanden: vom Kinderbücherschrank über die Kinderbücherei bis hin zu Lesepaten und Mitmachprojekten für Jung und Alt. Im Interview erzählt Sarah Harnischfeger wie alles begann, was „Hammersbach liest“ so besonders macht – und warum Bücher hier weit mehr sind als nur bedrucktes Papier.

Sarah Harnischfeger lebt mit ihrem Mann und ihren 10-jährigen Zwillingen (2 Jungs) in Marköbel. In ihrer Freizeit reitet und liest sie gern. 🐴 📙

Wie ist die Idee zum Bücherschrank für Kinder entstanden?

Meine Kinder hatten schon früh große Freude an Büchern. Bei unseren Spaziergängen kamen wir regelmäßig an öffentlichen Bücherschränken vorbei. Leider waren viele dieser Bücherschränke oft nur mit alten oder beschädigten Büchern bestückt und rochen nicht besonders angenehm. Auch die Kinderbücher waren häufig nicht in einem Zustand, in dem ein Kind sie gerne in die Hand nimmt. Umso größer war die Freude, als die Kinder eines Tages ein Buch über Astronauten in tadellosem Zustand entdeckten. Für sie war es wie ein kleiner Schatz – ein Buch, das sie mit leuchtenden Augen nach Hause trugen. Dieses besondere Buch haben wir übrigens bis heute noch.

Während der Corona-Zeit wurde mir dann bewusst, wie viele Kinderbücher ungenutzt in den Haushalten schlummern. Daraus entstand die Idee, einen eigenen Bücherschrank ausschließlich für Kinderbücher ins Leben zu rufen. Die Idee stieß beim Bürgermeister sofort auf offene Ohren, und so durften wir einen wunderbaren Platz im Ortsmittelpunkt – direkt gegenüber der Grundschule – nutzen. Der Bücherschrank wurde mit tatkräftiger Unterstützung des Bauhof-Teams gebaut und von mir für die Kinder mit bunten Farben angemalt.

Um den Bücherschrank gut zu bestücken, stellte ich im Nahkauf und im Kindergarten Sammeltonnen für Kinderbuchspenden auf. So haben wir die Möglichkeit, die Bücher vorab zu sortieren, zu reinigen und bei Bedarf zu reparieren. Das sorgt dafür, dass der Bücherschrank für die Kinder ordentlich, sauber und einladend bleibt.

So ist ein schöner Platz entstanden, mit einer gemütlichen Sitzbank unter einem Lindenbaum, der Familien und Kinder im Sommer zum Verweilen einlädt. Mit großer Freude können wir des Öfteren beobachten, das den Kindern dort auch gerne vorgelesen wird.

Als Sie gesehen haben, mit wie viel Begeisterung die Kinder den Bücherschrank angenommen haben war für Sie klar: Daraus muss mehr werden?

Als der Bücherschrank von den Kindern so begeistert angenommen wurde, entstand schnell der nächste Gedanke: Warum nicht auch Bücher zum Ausleihen anbieten? Kostenlos und für alle! Im Seniorentreff gab es bereits eine kleine Bücherei für Erwachsene. Gemeinsam mit dem Seniorenbeirat waren wir uns schnell einig, dass dies auch der ideale Ort für eine Kinderbücherei ist.

Mit viel Liebe zum Detail wurde ein kleiner Flur zu einer gemütlichen Kinderecke umgestaltet. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr tolle Bücher dazu, sodass heute jedes Kind – vom Kindergartenalter bis hin zu Teenagern – etwas Passendes zum Lesen findet.

Auch in den Bücherregalen für Erwachsene warten viele spannende und abwechslungsreiche Bücher darauf, entdeckt zu werden.

Regelmäßig melden sich Kindergartengruppen an, um die Bücherei zu besuchen. Für viele Kinder ist es der erste Besuch in einer Bücherei und somit ein ganz besonderes Erlebnis. Es finden in der Bücherei liebevoll gestaltete Vorleseveranstaltungen statt, bei denen die Kinder in spannende Geschichten eintauchen können.

Kinder ab der zweiten Klasse dürfen sich zudem als Helferkinder in der Bücherei engagieren und erste Verantwortung übernehmen.

Ganz besonders freuen wir uns in diesem Jahr, unseren kleinsten Besucherinnen und Besuchern eine kleine Überraschung überreichen zu dürfen.Dank der Stiftung Lesen erhalten alle dreijährigen Kinder ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch im Rahmen des Programms „Lesestart 3“. Dieses Buch soll ein schöner Anreiz sein, um schon früh die Freude am Lesen und Vorlesen zu wecken.

Wir freuen uns, damit einen kleinen Beitrag zu den ersten Leseerlebnissen unserer jüngsten Gäste leisten zu können.

Besonders stolz bin ich darauf, dass die gesamte Kinderbücherei ausschließlich durch gespendete Bücher entstanden ist. Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich, und der größte Lohn sind die strahlenden Gesichter der Kinder und Besucher.

Mittlerweile ist die Bücherei ein fester Bestandteil in Hammersbach. Ein schöner Ort um in Ruhe in den Regalen nach einem neuen Buch zu Stöbern – echte Leseschätze, die zum Stöbern, Verweilen und Schmökern einladen.

Was bedeuten die Lesepat:innen für die Kinder – und was geben diese Begegnungen auch den Seniorinnen und Senioren zurück?

Ein ganz besonderes Herzensprojekt sind unsere Lesepaten. Unter dem Motto „Senioren treffen Kinder“ suchen wir regelmäßig lese­begeisterte Seniorinnen und Senioren, die Freude daran haben, Zeit mit Kindern zu verbringen. Viele Kindergartengruppen haben inzwischen ihre eigene Leseoma und wir hoffen es werden noch mehr. Wir würden uns auch sehr über einen Leseopa freuen!

Nicht nur die Kinder profitieren von diesen Begegnungen – auch für die Senioren und Erzieherinnen und Erzieher ist es eine große Freude zu sehen, mit wie viel Begeisterung die Kinder in Geschichten eintauchen.

In der Grundschule unterstützen die Lesepaten die Kinder beim lauten Lesen und Üben. Dieses Angebot ist ein wichtiger Baustein, um den Spaß am Lesen zu fördern.

Wer uns dabei unterstützen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen, sich auf ein persönliches Gespräch bei uns zu melden.

Was steckt hinter dem Bildkarten-Erzähltheater?

Mit unserem Bildkarten-Erzähltheater haben wir die Möglichkeit, Geschichten auch größeren Gruppen anschaulich zu präsentieren – fast wie ein Bilderbuch, bei dem alle gleichzeitig zuschauen können.

Seinen Anfang nahm das Projekt während einer Projektwoche in der Grundschule, in der ich einen Erzähltheater-Workshop anbot. Die Kinder durften dabei ihrer Fantasie freien Lauf lassen: Sie erfanden ihre eigene Geschichte, malten die passenden Bilder dazu und präsentierten ihr Werk voller Stolz beim Sommerfest der Grundschule.

Ein wunderschöner Moment, der gezeigt hat, wie viel Kreativität, Mut und Freude in den Geschichten der Kinder steckt.

Die Begeisterung der Kinder war so groß, dass daraus gemeinsam mit der Jugendförderung ein Workshop im Rahmen des Herbstferienprogramms entstand. Kinder von 9 bis 14 Jahren gestalten Bilder zu bekannten Geschichten und führen diese anschließend bei einer Abschlussveranstaltung vor.

Inzwischen ist der Workshop fester Bestandteil des Ferienprogramms. Viele Kinder und Erwachsene aus Hammersbach konnten sich bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt oder anderen Anlässen bereits an den bunten Geschichten erfreuen. Auch zum bundesweiten Vorlesetag kam das Erzähltheater zum Einsatz. Kinder, die bereits an Workshops teilgenommen hatten, meldeten sich freiwillig, um an diesem besonderen Tag vorzulesen. Die Bücherei war bis auf den letzten Platz gefüllt – und so entstanden die „Erzähltheater-Kids“: Kinder lesen Kindern vor.

Jugendliche für Bücher zu begeistern gilt oft als Herausforderung: Was war Ihre Vision hinter dem Bücherbord an der Bushaltestelle – und wie wurde die Idee angenommen?

Über die Spendentonnen erhalten wir immer wieder auch Bücher für Jugendliche und junge Erwachsene. Lange fehlte dafür ein passender Ort. Schließlich entstand die Idee, ein Bücherbord in der neu gebauten Bushaltestelle am Untertor anzubringen – ein idealer Platz, da hier regelmäßig Schulbusse zu den weiterführenden Schulen fahren.

Gemeinsam mit der Jugendförderung ist dort nicht nur ein Bücherangebot für Jugendliche entstanden, sondern auch eine Informationsstelle rund um Angebote für junge Menschen in Hammersbach. Die Bushaltestelle wurde farblich an den Kinderbücherschrank angepasst und lädt nun zum Verweilen ein. Die Rückmeldungen der Jugendlichen, aber auch vieler Erwachsener, sind durchweg positiv.

Wenn Sie heute auf all die Projekte, Begegnungen und leuchtenden Augen zurückblicken: Was erfüllt Sie mit besonderem Stolz – und was wünschen Sie sich für die Zukunft von „Hammersbach liest?

Mein Fazit der vergangenen Jahre: Man muss einfach auch mal etwas ausprobieren und Zeit investieren – ganz nach dem Motto „Nicht nur reden, sondern machen“. Wir haben noch viele Ideen und sind gespannt, was wir in Zukunft gemeinsam umsetzen dürfen.

Zum Schluss möchte ich mich von Herzen bei allen bedanken, die unsere Projekte mit so viel Engagement, Zeit und Begeisterung unterstützen.

Ein ganz besonderer Dank gilt allen, die uns immer wieder so tatkräftig mit tollen Buchspenden helfen. Ohne diese wertvolle Unterstützung wären viele unserer Ideen nicht möglich – danke für dieses großartige Miteinander. Denn eines ist klar: Lesen verbindet – und Hammersbach liest!

Herzlichen Dank für dieses freundliche Gespräch!