Auf ein Wort mit Frank Barget

„Es ist uns eine Herzensangelegenheit, Tiere vor dem Tod durch Ausmähen zu bewahren.“

Der Verein Marköbler Kitzrettung e.V. rund um den Vorsitzenden Frank Barget möchte Rehkitz und andere Wildtiere künftig noch schneller und zuverlässiger vor der Mahd schützen.

Günter Menzel (2. Vorsitzender), Frank Barget (1. Vors.), Erik Hofmann – Schatzmeister (v.l.n.r)

Wie ist die Idee entstanden, in Marköbel einen eigenen Kitzrettungsverein zu gründen?

Die besten Ergebnisse bei der Kitzrettung  kann man durch die Suche mit einer Wärmebilddrohne erzielen. Hier haben wir immer mit den umliegenden Vereinen zusammengearbeitet, da wir zunächst noch keine eigene Drohne hatten. Um künftig noch schneller und flexibler für Kitzrettungseinsätze verfügbar zu sein, wollten wir eine eigene Drohne anschaffen. Die Anschaffung ist aber sehr teuer. Sie kostet zwischen 6.000 und 8.000 Euro plus Nebenkosten. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) fördert solche Drohnen. Förderfähig sind aber nur entsprechende Vereine. Somit kamen wir auf die Idee, den Verein zu gründen und zusätzliche Projekte in Angriff zu nehmen.

Ihre Drohne mit Wärmebildkamera ist ein wichtiges Werkzeug. Warum ist sie so effektiv?

Hat man keine Drohne, stellt man in den Wiesen am Vorabend der Mahd Scheuchen wie beispielsweise Müllbeutel an Stangen auf. Ziel dabei ist es, dass die Ricke, also das Muttertier, das von ihr in der Wiese vorher abgelegte Kitz aus der Wiese herausholt, weil etwas anders ist als „normal“ und die Ricke hierdurch eine Gefahr für das Kitz vermutet. Am Morgen der Mahd benötigt man dann dennoch viele Helfer, um die Wiese zusätzlich abzusuchen. Im hohen, nassen Gras können dabei dennoch leicht Kitze übersehen werden. Sind diese noch sehr jung, flüchten sie auch nicht vor den Helfern und drücken sich ins Gras.

Eine Wärmebilddrohne kann die Temperaturunterschiede zwischen der Wiese und einem wärmeren Tierkörper auch unter hohem Gras zuverlässig anzeigen. Das gilt auch bei perfekter farblicher Tarnung – man braucht ausschließlich den Temperaturkontrast.

Durch die neue, wirklich beeindruckende Technik kann man Tierkörper viel zuverlässiger aufspüren und gleichzeitig größere Flächen absuchen.

Wenn Sie zu einem Einsatz rausfahren: Wie läuft so eine Kitzsuche am frühen Morgen ab?

Der Landwirt informiert uns 1-2 Tage vor der Mahd, welche Wiesen er wann mähen möchte. Mit viel mehr Vorlaufzeit ist das meistens gar nicht möglich, da er hier auch sehr auf passendes Wetter angewiesen ist. Wir informieren dann unsere Helfer und machen einen Treffpunkt für Landwirt und Kitzretter aus und treffen uns teilweise schon kurz vor Sonnenaufgang. Es ist wichtig, die Suche möglichst früh zu beginnen, da hier die Temperaturunterschiede zwischen Wiese und Tierkörper noch am deutlichsten sind.

Der Drohnenpilot fliegt die Wiese dann mit der Drohne ab und kann live auf einem Monitor sehen, wenn die Drohne eine Wärmesignatur anzeigt. Die Helfer werden dann vom Drohnenpiloten über Funk genau zur Fundstelle gelotst, können diese kontrollieren und ein Kitz oder auch ein Fasanengelege sichern. Ist die Fläche überprüft und frei, mäht der Landwirt unmittelbar danach die Wiese ab.

Die Zusammenarbeit mit den Landwirten ist für die Rettungsaktion entscheidend. Wie läuft das hier vor Ort?

Die gute Zusammenarbeit hat sich über die Jahre eingespielt und es gibt keinerlei Probleme. Die gesetzliche Verantwortung, alles dafür zu tun, was möglich ist, um ein so genanntes Ausmähen von Tieren bei der Mahd zu vermeiden, liegt beim Landwirt. Die Landwirte nehmen unsere Hilfe dankbar und gerne an. Es ist uns allen eine gemeinsame Herzensangelegenheit, Tiere vor schwersten Verletzungen und dem Tod durch Ausmähen zu bewahren.

Neben der Suche nach Kitzen kümmern Sie sich auch um andere Wildtiere. Welche Aktionen gehören hier dazu?

Bei der Mahd suchen wir nicht nur nach Kitzen, sondern bspw. auch nach Fasanen- und Rebhuhngelegen oder auch nach Feldhasen.

Ziel des Vereines ist es aber auch, die Lebensräume aller Tiere zu verbessern – sei es das Rebhuhn, der Fasan oder auch Bienen und Insekten. Wir wollen die Biodiversität erhöhen und eine Vernetzung von Lebensräumen z. B.  durch Feldgehölze und Blühflächen etc. schaffen. In Trockenzeiten sorgen wir für Wasserstellen und helfen im Winter z. B. den Rebhühnern durch das Aufstellen von Futtereimern.

Wenn man bei Ihnen mitmachen möchte, braucht man besondere Vorkenntnisse?

 Ein Verständnis für die Natur hilft natürlich, ist aber keine Voraussetzung. Jeder der helfen will, gerne früh aufsteht und an der frischen Luft ist, ist willkommen. Was zu tun und worauf zu achten ist, wer welche Aufgabe erhält etc. wird vor Ort ausführlich erklärt. Meistens sind neben dem Drohnenpiloten auch immer zwei Personen als Retter im Team eingesetzt, sodass Neulinge von erfahrenen Personen lernen können.

Wie kann die Bevölkerung den Verein unterstützen?

Jetzt in der Anfangsphase des Vereins gilt es zunächst, die kürzlich angeschaffte Drohne und deren laufende Nebenkosten verlässlich finanzieren zu können. Hierzu benötigen wir noch neue Mitglieder und Spenden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt aktuell im Jahr 18 Euro. In den Wintermonaten sind wir auch für Futterspenden wie z. B. Weizen für Fasanenschütten sehr dankbar. Und bis zur nächsten Mahd-Saison freuen wir uns natürlich auch noch auf weitere helfende Beine und Hände.

E-Mail: markoebler.kitzrettung.ev@gmail.com

Spenden: Marköbler Kitzrettung e. V., IBAN: DE36 5065 0023 0034 2539 89

Steckbrief Frank Barget:

  • Vorsitzender
  • Wohnt in Hammersbach, verheiratet, 2 Kinder
  • arbeitet bei Evonik Industries AG
  • Hobbys: Jagd, Wandern, Skifahren

Herzlichen Dank für dieses freundliche Gespräch!